Ab diesem Tag ist Weisten als Eifeler Freidorf (ehemalig Gemeinde Burg-Reuland, ehemalig Deutschsprachige Gemeinschaft, ehemalig Provinz Lüttich, ehemalig Wallonische Region, ehemalig Föderaler Staat Belgiens) ein souveräner Staat, innerhalb der Europäischen Union. Die Bewohner des Freidorfes Weisten haben mit dieser Unabhängigkeitserklärung von ihrem Selbstbestimmungsrecht Gebrauch gemacht.
Außenbeziehungen
Das Freidorf Weisten respektiert weiterhin alle internationalen Abkommen, seien diese bilateraler oder multilateraler Natur. Als Europäischer Staat bekennt Weisten sich zu den Errungenschaften des Zusammenlebens in Freiheit in jeglicher Hinsicht, nur begrenzt durch Respekt für die Mitbürger und Rücksicht auf die Einwohner benachbarter und nicht benachbarter Staaten. Insbesondere hat auch das Schengener Abkommen für das Hoheitsgebiet des Freidorfes Weisten Bestand.
Mit der Gemeinde Burg-Reuland, in der Weisten bis vor kurzem als unselbständiges Dorf eingegliedert war, wird der Abschluss eines Freundschaftsabkommen angestrebt. Dasselbe gilt für die Deutschsprachige Gemeinschaft und Belgien. Ob mit der Provinz Lüttich ebenfalls ein Freundschaftsabkommen abgeschlossen wird, wird zur Zeit ergebnisoffen diskutiert.
Die Handelsstraße von Sankt-Vith nach Thommen bleibt, auch für Transitverkehr, geöffnet. Das Gebiet Weisten-Middel (siehe Karte) wird ab heute zur Freihandelszone erklärt.
In den Außenbeziehungen wird das Freidorf Weisten von demjenigen vertreten, der zu dem Moment am Besten drauf ist, oder durch Befähigung, Erfahrung oder Zufall, die richtige Person am richtigen Ort, zum richtigen Zeitpunk erscheint.
Innere Angelegenheiten
Gute Organisation ist nichts anderes als gute Kommunikation.
Die Aufgaben und Herausforderungen des Freidorfes Weisten bestimmen welche Strukturen für die erfolgreiche Erledigung erforderlich sind.
Positionen oder Funktionen gibt es im Freidorf Weisten nicht. Derjenige, der die Initiative ergreift, führt das jeweilige Projekt bis zum Abschluss. Er wird von denjenigen in der Ausführung unterstützt, die sich für die Umsetzung begeistern lassen haben und die Umsetzung als erforderlich für das Wohl von einem oder mehreren oder allen Dorfbewohnern halten.
Der Dorfrat ist das erste und einzige Gremium, wo bei Bedarf über innere und äußere Angelegenheiten des Freidorfes Weisten entschieden wird. Der Rat wird nur zusammengerufen, wenn und wann erforderlich. Weitere Organisationsebenen existieren nicht. Beschlüsse werden nicht protokolliert, sondern im Dorfklatsch festgehalten, damit in der Umsetzung ein gewisser Freiraum bleibt.
Die Regel des Zusammenlebens im Freidorf Weisten sind einfach. Was gut ist für dich, ist gut für mich. Und was gut ist für mich ist gut für dich. Auf die Dauer hat keiner Freude an etwas was den anderen schadet. Strittige Interessen gibt es nicht: das gemeinsame Interesse und das Interesse der einzelnen Bewohner gilt den Erhalt und die Steigerung der Qualität des Lebens im Freidorf Weisten. Es gibt immer eine Möglichkeit Maßnahmen so zu gestalten, dass sie dem einen nutzen, ohne dem anderen zu schaden.
Steuer werden nicht erhoben. Sollten gemeinschaftliche Ausgaben erforderlich werden, wird im Dorfrat darüber entschieden, wie die erforderliche Finanzen zusammengebracht werden. Die Beiträge werden nach finanzieller Tragfähigkeit und den Nutzen die ein jeder von der zu finanzierenden Maßnahme hat.
Eine Staatsverschuldung kommt für das Freidorf nicht in Betracht. Nur was erwirtschaftet worden ist, kann für neue Ausgaben verwendet werden.
Quantitäten machen sich den Raum streitig; Qualitäten ergänzen sich (Bonhoeffer). Wirtschaftliches Wachstum wird nicht nachgestrebt. Wohl aber die Verbesserung der Lebensqualität.
Die Verwendung von Geld darf nur der Unterstützung des Tauschhandels dienen. Handel, geschweige Spekulation, mit Geld, sei es analoger, sei es digitaler Natur, ist nicht gestattet. Rechtspersonen sind nicht zugelassen, nur natürliche Personen nehmen am Wirtschaftsverkehr Teil, mit vollem Genuss von Erfolgen und voller Verantwortung für Misserfolge. Boni sind nicht gestattet: man fragt und bekommt den Wert dessen was man dem anderen liefert oder leistet. Nicht mehr und nicht weniger.
Touristen sind willkommen. Eine Steuer wird nicht erhoben. Von jedem Tourist wird jedoch einen Beitrag an das Freidorfener Gemeinwohl erwartet, je nach Befähigung und Interesse. Dazu gehört unter anderem Holz schaffen und Kartoffel schälen für die älteren Dorfbewohner.
Es gibt keine Leitkultur oder Sprachvorschriften. Als multikulturelles Freidorf, wo Deutsch, Platt-Deutsch, Französisch, Niederländisch, Flämisch-Niederländisch und Englisch in Dorfgesprächen stufenlos vermischt werden, gilt nur eins: solange verstanden wird, ist tutti paletti.
Weil Vertrauen die Grundlage des Zusammenlebens ist, sind Gesetze hinfällig und deren Verabschiedung im Freidorf Weisten strengstens verboten. Eine Gerichtsbarkeit bedarf es somit auch nicht. Wenn es dennoch Meinungsverschiedenheiten gibt, besuchen die betroffen Bewohner gemeinsam einen der älteren und weisen Bewohner des Freidorfes für ein klärendes Gespräch. Die Gerechtigkeitsfindung wird von Cappuccino und selbstgebackenen Keksen unterstützt.
Heute Abend, Freitag dem ersten Tag des vierten Monats des Jahres 2011 wird
um exakt 19:00 Uhr bei dem Dorfbrunnen
die Unabhängigkeit des Freidorfes Weisten feierlich bestätigt. Bewohner benachbarter Staaten mit guten und friedlichen Absichten sind zu dieser Feier herzlich eingeladen. Mitnahme von Speisen und Getränken als Freiheitsgeschenk wird begrüßt. Langweilige Ansprachen und Reden sind nicht erwünscht.© Murk Muller 2011
